Wer an die
Insel Rügen im August denkt, hat sofort ein Bild von Sommer, Sonnenschein,
Dünenstrand und malerischen Kalkfelsen im Kopf. Genauso ging es auch der dbb
Bundesjugendleitung, als sie im Winter nach einem geeigneten Ort für das erste
Jugendgruppenleiterseminar der dbb jugend suchte. Gleich neben dem schönen
Stadtstrand im Ostseebad Binz wurden die Organisatoren fündig: Eine
Jugendherberge mit Seminarraum und Blick aufs Meer. 14 junge Mitglieder aus
den Verbänden der dbb jugend starteten dort am 14. August 2009 in spannende
neun Tage voll gepackt mit rechtlichen, gesundheitstechnischen,
journalistischen und zwischenmenschlichen Erlebnissen. Tatkräftige
Unterstützung erhielt die Bundesjugendleitung von vielen Fachreferenten und
von dem 23-jährigen Patrick Rohlmann, der die Seminarleitung übernahm.
„Wir haben uns bewusst für einen externen Seminarleiter entschieden, um die
Gruppe objektiv und unabhängig schulen zu können“, sagte Thomas Löwe,
stellvertretender dbbj-Vorsitzender, der selbst als Fachreferent zum Thema
Veranstaltungsmanagement in Binz antrat. „Patrick bringt alles mit, was ein
Seminarleiter braucht. Er hat für sein junges Alter bereits viel Erfahrung in
der Jugendarbeit gesammelt – sowohl mit Kindern im Vor- und Grundschulalter
als auch im Sportverein mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Und er ist
selbst Inhaber der Juleica, was ihn zu einem guten Vorbild für die Teilnehmer
des Seminars macht“, so Löwe.
Sportlicher Seminarstart
Und das hat man vor Ort in Binz gemerkt. Am Samstagmorgen punkt halb acht
stand die Gruppe am Ostseestrand Spalier zum „Frühsport“. „Spielerische
Übungen sollen die Atmosphäre auflockern und die Distanz zwischen den
Teilnehmern abbauen. Das ist der erste Schritt des Teambuildings und eine gute
Vorbereitung auf einen anstrengenden Seminartag“, erklärte Patrick, der
zwischen den Seminarteilnehmern gar nicht weiter auffiel. Auch die
Bundesjugendleitung ließ sich nicht lange bitten und war dabei, wenn es darum
ging, als Gruppe Aufgaben anzupacken, die gemeinsame Koordination, das
Vertrauen untereinander sowie Kommunikation und Kooperation verlangten. „Eine
interessante Erfahrung und zugleich spannend zu dieser Tageszeit“, beschrieb
Sandra Hennig, Mitglied der Bundesjugendleitung ihre Eindrücke nach dreißig
Minuten Sport am Samstagmorgen.
Nahtlos ging es nach der kleinen Aufwärmübung gleich weiter mit
Veranstaltungsmanagement und Eventorganisation. Patrick gab den Leitungsstab
damit vorrübergehend ab an Sandra Hennig und Thomas Löwe, die neben der
Vermittlung von theoretischem Grundlagenwissen vor allem die Kreativität der
Teilnehmer forderten und gemeinsam erste Veranstaltungskonzepte entwickelten.
„Eine solide Grundlage ist wichtig, um Veranstaltungen erfolgreich planen,
vorbereiten und durchführen zu können“, betonte Löwe.
Volles Programm
An
neun Tagen hatten die vierzehn Teilnehmer zwischen 17 und 34 Jahren ein
straffes Programm vor sich. Rechtliche Grundlagen der Jugendarbeit,
gruppendynamische Prozessen und pädagogische Ansätzen waren ebenso
Seminarinhalt wie praktische Übungen, ein Erste-Hilfe-Kurs und unterhaltsame
Gruppenspiele. Darüber hinaus konnten die Junggewerkschafter auch an ihren
rhetorischen und journalistischen Fähigkeiten feilen. Der freie Journalist und
Online-Redakteur Kai Kolwitz nahm die Teilnehmer mit in die Welt des
Zeitungsjournalismus und lies sie die Titelseite einer fiktiven Tageszeitung
erstellen. Mit Laptops bewaffnet machten sich die Chefredakteure auf Zeit im
Internet auf die Suche nach aktuellen Meldungen. Auf diese Weise sollten sie
ein Gefühl für „wichtige“ Nachrichten entwickeln, sagte Kolwitz. „Denn nur wer
weiß, wie Journalisten arbeiten und Nachrichten gewichten, hat auch eine
Chance, seine eigenen Meldungen in den Medien zu platzieren.“ Am nächsten
Morgen ging es dann genau darum: Die Nachwuchsjournalisten sollten selbst eine
Meldung formulieren und zwar in Form einer Pressemitteilung. „Ich habe viele
Tricks und Kniffe mitgenommen aus dem Seminar, die mir auch bei meiner
täglichen Arbeit helfen“, freute sich Jasmin Franz. Die 25-jährige
Verwaltungswirtin arbeitet als Pressesprecherin der Stadt Mayen und ist voller
Tatendrang, das neue Wissen gleich nach ihrer Rückkehr anzuwenden. Aber auch
für die gewerkschaftliche Arbeit hat sie im Seminar viele Anregungen mitnehmen
können. Gerade die Übungen zum Teambuilding wolle sie beim nächsten JAV-Tag
ausprobieren.
Rollenmuster und sprachliche Barrieren
Aber nicht nur gegenüber der Presse ist der richtige Ton entscheidend. Auch
zwischenmenschlich müssen die Formulierungen sitzen, um etwa Konflikte oder
Missverständnisse zu vermeiden. Wie wichtig Ausdrucksweise und die Überprüfung
gängiger Rollenmuster im Umgang mit Jugendlichen ist, erläuterte Astrid
Hollmann, Kommunikationswissenschaftlerin und stellvertretende dbb
Bundesvorsitzende in ihrem Seminar zum Thema geschlechtergerechte
Jugendarbeit. In der Jugendverbandsarbeit ist Gender Mainstreaming ein
zentraler Leitgedanke. Jugendlichen soll ein Bewusstsein für
Gleichberechtigung vermittelt werden, aber ohne dabei die unterschiedlichen
Bedürfnisse von Jungen und Mädchen aus den Augen zu verlieren. Die Gruppe übte
auch gleich in mehreren Gruppen- und Einzelaufgaben. Dabei lernte sie
bestehende Schwierigkeiten kennen und erhielt gleichzeitig die Möglichkeit,
praktische Lösungsansätze auszuprobieren.
Am Sonntag ging es für die Teilnehmer zurück nach Bayern, Berlin,
Niedersachsen, Nordrhein-Westphalen, Rheinlandpfalz und Thüringen. Angefüllt
mit neuem Wissen, vielen Ideen und neuen Kontakten reisten die Teilnehmer ab.
„Wir sind sehr zufrieden mit der Erstauflage des neuen Seminarangebots und
werden dieses jetzt sorgfältig auswerten“, erklärte Löwe. Das Abschließende
Fazit der Gruppe: Kompakte Wissensvermittlung, viele praktische Anregungen und
dennoch viel Zeit für ein wenig „Urlaubsgefühl“ im Kreis netter Leute.