dbb jugend im Gespräch mit Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau:
Keine „staatliche Prämie, um zu Hause zu bleiben“

Hennig und PauDie dbb jugend hat ihre Reihe von Politikergesprächen fortgesetzt, bei denen die Bedeutung des Ehrenamtes und die Nachwuchsgewinnung für den öffentlichen Dienst im Mittelpunkt stehen. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Petra Pau (DieLinke) stand der dbb Bundesjugendleiterin Sandra Hennig am 14. Juni 2010 in Berlin Rede und Antwort.

Perspektiven, sei es im öffentlichen Dienst oder bei der Gewerkschaftsarbeit, werden nicht nur vom Dienstrecht bestimmt. Genauso wichtig wie klare berufspolitische Rahmenbedingungen sind für junge Leute Kinderbetreuungsangebote, die es ihnen ermöglichen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. „Aber gerade da sind wir im öffentlichen Dienst in vielen Bereiche in einer desolaten Situation“, erklärte Sandra Hennig. „Es gibt schlicht nicht genügend und auch nicht genügend bezahlbare Betreuungsangebote.“ Petra Pau wies auf immer noch bestehende Unterschiede bei der Kinderbetreuung zwischen Ost und West hin und kritisierte, dass es der Kinderbetreuungseinrichtungen zudem an gesellschaftlicher Akzeptanz fehle.

Die Gesprächspartner waren sich einig, dass Eltern bei der Kinderbetreuung freie Wahl haben müssten.
Die dbb jugend fordert in diesem Zusammenhang seit langem, dass jedem Kind das Recht auf einen Kindergartenplatz noch vor dem dritten Lebensjahr zustehen müsse. „Gleichzeitig muss die Kinderbetreuung qualitativ gut sein, und das lässt sich dauerhaft nur mit mehr Personal sichern. Es darf keine gespaltene Gesellschaft geben, in der sich die einen Privatkindergärten oder Privatschulen leisten können, während anderen nur staatliche Angebote bleiben“, so Hennig. Das geplante Betreuungsgeld lehnten Pau und Hennig als „staatliche Prämie, um zu Hause zu bleiben“ ab.

Was die Nachwuchsgewinnung für den öffentlichen Dienst betrifft, ist sich Petra Pau der Engpässe bewusst und will unter anderem den Quereinstieg erleichtern: „Es kann nicht sein, dass die Unterbesetzung im öffentlichen Dienst erst ein Thema wird, wenn zum Beispiel ein Gammelfleischskandal deutlich macht, dass es zu wenig Lebensmittelkontrolleure gibt und dieser Bereich dann mit einer Hau-Ruck-aktion aufgestockt werden muss“, erklärte Pau.